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Lernen an und mit Biografien (von Forschern und Forscherinnen)

„Die Auseinandersetzung mit Lebensgeschichten, der eigenen und auch fremden, bietet im Kontext sachunterrichtlichen Lernens zahlreiche Möglichkeiten für historische Lernprozesse“ (Becher, A. / Schomaker, C., S.107). Kinder sind an herausfordernden Lebensläufen von Menschen in der Geschichte interessiert. Sie erkunden, ob sie die Erfahrungen dieser Menschen für ihr eigenes Leben nutzen können. Ausgehend von der eigenen Biografie können erste Schritte zur Anbahnung historischer Orientierungskompetenz realisiert werden (vgl. Becher, A. / Schomaker, C., S.107). Biografisches Lernen kann aber auch in der Auseinandersetzung mit dem gelebten Leben fremder Menschen angestoßen werden. Durch die Auseinandersetzung der Schüler und Schülerinnen mit den Biografien verschiedener Forscher und Forscherinnen wird eine Orientierung in der historischen Zeit unterstützt und die Potenziale eines biografischen Zugangs entfaltet. Das Lernen an und mit Biografien bietet die Möglichkeit, die persönliche Bedeutsamkeit von Lerngegenständen im Sachunterricht hervorzuheben. Dabei hilft ein Lernen an fremden Biografien vor dem Hintergrund der kindlichen Lebenswirklichkeit, die persönliche und soziale Identität des Kindes zu fördern.

Es werden grundsätzlich zwei Ansätze biografischen Lernens unterschieden:

  1. Autobiografisches Lernen (das Lernen an der eigenen Lebensgeschichte)
  2. Fremdbiografisches Lernen (das Sachlernen an fremden Biografien als möglicher Zugang zu einem Lerngegenstand)

Insbesondere die Auseinandersetzung mit einer fremden Biografie ermöglicht es, das Lernen „in ein fruchtbares Verhältnis zur eigenen Biografie zu setzen“ (Weddehage 2013, S. 131). Dabei geht es nur sekundär darum, Daten zusammenzutragen und diese chronologisch bzw. historisch nachweisbar zu ordnen. Vor allem sollen gerade fremde Biografien die Kinder dazu einladen, sich selbst zu hinterfragen, sich zuzuordnen oder abzugrenzen. Dadurch, dass sie das Leben und Wirken verschiedener Forscherinnen und Forscher kennenlernen, erhalten sie die Möglichkeit, eigene biografische Reflexionen anzustellen: Was kann ich gut? Was ist mir wichtig? Was interessiert mich?

Um dies zu erreichen, muss bei der Auswahl bzw. Aufbereitung für den Unterricht auf drei Dinge besonders geachtet werden:

  • Zunächst müssen die biographischen Texte und der naturwissenschaftliche Forschungsstand für die Kinder verständlich und damit erfahrbar werden.
  • Darüber hinaus werden Kinder besonders angesprochen, wenn die Forscher und Forscherinnen bereits in ihrer Kindheit forschten. Kinder könnten sich fragen, ob es vielleicht auch etwas gibt, das sie brennend interessiert.
  • Und nicht zuletzt sollte darauf geachtet werden, dass sowohl Forscher wie auch Forscherinnen vorgestellt werden.

Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Lebensgeschichten ermöglicht Kindern im Sinne des Konzepts der „scientific literacy“ zu erforschen, auf welche Weise Erkenntnisse in den Naturwissenschaften entstehen können:

  • Naturwissenschaftliches Wissen beruht stark auf Beobachtung.
  • Es gibt keine Standardmethode, Naturwissenschaft zu betreiben.
  • Naturwissenschaftler sind sehr kreativ und nutzen sehr unterschiedliche Forschungsmethoden.
  • Naturwissenschaftliche Ideen werden stark von ihrem sozialen und historischen Umfeld beeinflusst.

Kerngedanke dieser Konzeption ist, Schüler und Schülerinnen naturwissenschaftliche Prinzipien so zu vermitteln, dass diese nicht nur verstanden, sondern auch auf Situationen des Alltags übertragen werden können. Die Verbindung von naturwissenschaftlichem und historisch-biografischem Lernen fördert das Wissenschaftsverständnis von Kindern und vermittelt die Einsicht, dass Wissenschaft und Forschung nicht als lebensfernes Konstrukt gesehen werden.

Die Methode im Unterrichtsbeispiel:

Der Traum vom Fliegen

Bionik